Karnevalisten übernehmen bis Aschermittwoch Macht in der Stadtverwaltung
Genau 80 Minuten dauerte es am Samstag, dann war die Pohlheimer Stadtverwaltung in närrischer Hand. Erstmals nach langjähriger Pause fand wieder ein „Sturm aufs Rathaus“ statt.
Der Carnevalsverein „Die Mollys“ Watzenborn-Steinberg, die Geselligkeit Burschenschaft Karneval (GBK) Grüningen und die „Goarwedaicher Krobbe-Gugger“ samt Prinzenpaar Sebastian I. und Nicole I. hatten sich auf dem Parkplatz vor der Stadtverwaltung mit närrischem Gefolge in Stellung gebracht.
Verbale Geschütze lassen Bürgermeister kalt
Nach der Begrüßung des Publikums und der Vorstellung der Mitstreiter versuchte zunächst Pierre Schmidt für die GBK, dem obersten Herrscher über Pohlheim die Übernahme der Regierungsgeschäfte durch Grüningen schmackhaft zu machen. Dort schlage das Herz und lebe die Macht, „die heimliche Hauptstadt bei Tag und Nacht“. Der Rathauschef zeigte sich allerdings unbeeindruckt. „Nur ein Narr sagt, um ehrlich zu sein, dieser Anspruch gehört Grüningen allein.“
„Krobbe-Guckerin“ Melanie Müller plädierte für das Garbenteicher Prinzenpaar an der Rathausspitze. Ob Haushaltslage, Bürgernähe, Ausstrahlung und Tempo – in allen Belangen seien sie die bessere Alternative: „Andreas, mach mal eine Pause, wir schmeißen ab jetzt hier die richtige Sause!“, forderte sie. Doch auch das prallte am Bürgermeister ab: „Ihr habt euch geschnitten. Die Pforte des Rathauses wird so net überschritten.“
Verbale Geschütze fuhren danach die „Mollys“ auf. Bürgerhäuser, Sportplätze, Neubaugebiet oder Hallenbad: „Wo der Schuh drückt“, umriss deren Sitzungspräsident Jörg Buß gleich in einem ganzen Investitionskatalog. „Das Volk muss an die Macht“, rief er und reihte sich ein in die Forderung: „Winken Sie endlich mit dem weißen Tuch!“ Vergeblich, denn auch die „Mollys“-Kritik wies Ruck vehement zurück und wiederholte seine Position: „Auf all eure Slogans geh‘ ich nicht ein. Und übrigens lasse ich euch ins Rathaus nicht rein.“
Goldtaler bringen nicht die Entscheidung
Stattdessen bot er den Karnevalisten einen Deal an: „Es ist nicht der Schlüssel, ihr werd’s verschmerzen. Es ist was and’res, aber von Herzen“, zeigte der Bürgermeister auf eine mit Goldtalern prall gefüllte Truhe. Jedoch konnte auch dieser Kompromissvorschlag das Narrenvolk nicht zufrieden stimmen.
Also ging es nach einer Tanzeinlage der Juniorengarde der „Mollys“ in die nächsten Runden. Elf Fragen zu Pohlheim und dem närrischen Leben brachten die Karnevalisten punktemäßig in Führung. Und nach Schätzspiel und Polonaise verkündete Moderator und DJ Bertin Geißler einen eindeutigen Sieger: die Pohlheimer Narren. Die durften sich schließlich also doch über den Rathausschlüssel und die Schatztruhe freuen.
Mit Konfettidusche ging der Rathaussturm in eine feucht-fröhliche Party über. Und wer wissen will, wer jetzt in Pohlheim regiert, schaut einfach mal an der Zentrale im Foyer der Stadtverwaltung an die Decke. Dort baumelt eine große Narrenkappe mit der Aufschrift „Narren an der Macht!“