1. Pohlheimer Digitaltag erörterte Möglichkeiten der Teilhabe
Die Digitalisierung schreitet in Deutschland nur schleppend voran. Technische Hürden, mangelnde Kompetenz und Sorgen um Datensicherheit bewirken zudem, dass sich viele Bürger bei der Nutzung zurückhalten und sich ausgegrenzt fühlen.
Das Pohlheimer Ehepaar Jochen und Doris Hohenwald will die Scheu vor digitalen Anwendungen nehmen und setzt auf praxisnahe Informationen und Begleitung. „Was brauchen wir in den Stadtteilen und wie kommt die Digitalisierung zu den einzelnen Menschen?“ fragten sie beim 1. Pohlheimer Digitaltag in der Klosterwaldhalle in Dorf-Güll.
"Erfahren, wie etwas funktioniert"
In Kooperation mit der Stadt Pohlheim, dem städtischen Seniorenbeirat und einigen Initiativen fand zunächst eine Bestandsaufnahme statt. „Es wird alles immer komplizierter“, konstatierte Seniorenbeirats-Vorsitzender Roland Fischer. Deshalb sei es ein Ziel, Menschen die Ängste vor dem Medium Internet zu nehmen. „Bei uns soll man erfahren, wie etwas funktioniert.“
Bürgermeister Andreas Ruck sieht viel Handlungsbedarf und Deutschland noch meilenweit von einem durchgängigen Prozess der Digitalisierung entfernt. Oftmals fehle der letzte Schritt, um eine Dienstleistung komplett digital abwickeln zu können und man müsse dann doch noch analog bei der Behörde erscheinen.
Der Rathauschef erwähnte einige Beispiele für Online-Dienste und Bürger-Services der Stadt, die über die Homepage in Anspruch genommen werden könnten – von der Terminbuchung für das Stadtbüro, Meldebescheinigungen und Passangelegenheiten über standesamtliche Urkunden und Ausleihe von Medien bis zur Anfrage für Kita-Plätze.
Einen nützlichen Service sieht Ruck auch im digitalen Mängelmelder. Dadurch können Mitteilungen über Straßenschäden, illegale Müllablagerungen oder andere Vorkommnisse mit Standortmarkierung, Fotos und Infos an die Kommune bequem weitergeleitet werden. Bauplatzanfragen erfolgen mittlerweile komplett über die Plattform „Baupilot“, wo eine digitale Registrierung erforderlich ist. Und ein letztes Beispiel: Die „Pohlheimer Entdeckungskarte“ ist ein Vernetzungsprojekt für ökologische und soziale Initiativen, das in digitaler Form ständig erweitert werden kann.
Dass fortschreitende Digitalisierung auch ihre Tücken hat, machte Hans-Jürgen Redmann vom Repair-Café deutlich. Bei Geräten wie Kaffeevollautomaten steige die Zahl möglicher Fehlerquellen, etwa bei der Steuerung. „Dafür haben wir meist keine Ersatzteile, die wir austauschen können.“ Mit seinem Team kümmert sich Redmann einmal monatlich in den Räumen der Limeswerkstatt in Garbenteich ehrenamtlich um Reparaturen von Haushaltskleingeräten. „Es wäre wirtschaftlich nicht lohnenswert, sie in einem Fachbetrieb reparieren zu lassen“, so der Biologe und Hobby-Tüftler.
Audio- und Videobeiträge zu gesellschaftlichem Leben
Eine Lanze für das Medium Podcast brach Christian Görlach, der seit zwei Jahren mit Markus Krieb das gesellschaftliche Leben in Pohlheim in Audio- und Videobeiträgen unter die Lupe nimmt. Unter dem Titel „35415 – Der Pohlheim Podcast“ produzierte das Duo bislang in loser Folge Beiträge zu lokalen Themen wie Mundart, Dorf- und Stadtjubiläen, Jugendarbeit, Hallenbad und Limeswanderung. Der Pohlheim Podcast verzeichnet mehrere Hundert Aufrufe und ist neben der Audio-Version auch als YouTube-Video abrufbar. Die Autoren nehmen gerne Vorschläge für Themen entgegen.
Über Angebote der Kreisvolkshochschule speziell im Bereich Digitalisierung informierte Jochen Hohenwald, der mit seiner Frau auch selbst Grundlagenkurse und Spezialthemen vermittelt: von den ersten Schritten am Computer bis zum Datenschutz-Checkup.
Wie eine Initiativgruppe „Digitalfreunde Pohlheim“ aussehen könnte, erläuterte Doris Hohenwald im Anschluss. „Wir möchten Ansprechpartner und Räumlichkeiten in den einzelnen Stadtteilen finden und regelmäßige Treffen anbieten“, sagte sie. Die Inhalte sollen auf die Bedürfnisse der Teilnehmer abgestimmt werden. „Wenn alles prima klappt, können wir uns auch eine Vereinsgründung vorstellen.“
Weitere Informationen zum 1. Pohlheimer Digitaltag gibt es unter www.sahara-ag.de/digitalfreunde.