Erste Baggerarbeiten für neues Gewerbegebiet Garbenteich-Ost

Kaum ist der Baustopp aufgehoben, rollen auch schon die ersten Bagger im Gewerbegebiet Garbenteich-Ost. Nach den juristischen Streitigkeiten der vergangenen drei Jahre geht es nun zügig los mit den Arbeiten auf dem 23 Hektar großen Areal.

Investor und Projektentwickler Daniel Beitlich von der Revikon GmbH will zunächst Mutterboden auf den zukünftigen Hauptverkehrsadern des Geländes abtragen lassen und bis zum Herbst Tiefbauarbeiten auf diesen Achsen vornehmen.  Danach geht es bis zum Frühjahr 2027 mit Volldampf in die eigentliche Erschließung des Gewerbegebietes.

Weiterhin viel Interesse an Ansiedlung

Parallel zu den Maßnahmen vor Ort werden zurzeit die bestehenden Kontakte mit ansiedlungswilligen Unternehmen wieder intensiviert. Namen will der Revikon-Geschäftsführer noch nicht nennen. Er verriet aber zumindest, dass sechs Pohlheimer Firmen einen Umzug an den neuen Standort erwägen. Trotz des Baustopps und der langen Verzögerung zeigten erstaunlich viele Unternehmen weiterhin Interesse. Grundstücksvergaben erfolgen in enger Abstimmung mit der Stadt.

„Wer jetzt ein Grundstück erwirbt, kann aller Voraussicht nach in 2027 mit dem Bauen anfangen“, prognostizierte Beitlich. Trotz konjunktureller Krisenstimmung sieht er das Gewerbegebiet als „Super-Visitenkarte“. Im Hinblick auf ihre Zukunftsfähigkeit biete ein Neubau Unternehmen insbesondere energetisch die Möglichkeit, sich weitgehend autark aufzustellen. Revikon werde zudem ein Nahwärmenetz aufbauen, um Energiespitzen zu kompensieren.

Gewerbegebiet mit dreiteiliger Struktur

An der dreiteiligen Struktur der zu bebauenden Fläche hat sich nichts geändert: Ein Mischgebiet aus nichtstörendem Gewerbe und Wohnen sowie moderaten Lärmemissionen verläuft entlang einer Linie der gegenüberliegenden Wohnbebauung im Admonter Ring. Diesem Areal schließt sich ein doppelt so breites reines Gewerbegebiet an sowie im Norden für größere Unternehmen ein Industriegebiet, das an die Autobahn 5 angrenzt. Diese Gebäude haben ihren Rücken zum Admonter Ring und ihre Betriebshöfe Richtung Autobahn. Als Nebeneffekt sollen die entstehenden Bauten auch als Schallschutz dienen vor dem Verkehrslärm, der von der A5 ausgeht.

Gemessen an der Ursprungsplanung, sei das Gewerbegebiet um ein Drittel kleiner, blickte Beitlich auf die Historie zurück. Großlogistik sei ausgeschlossen. Als Beispiele nannte er Autohöfe, Beherbergungsbetriebe, Spielhallen und Großspeditionen. Die Belastung der Bevölkerung soll so niedrig wie möglich gehalten werden. Von der Landesstraße 3358 aus werde lediglich eine Erschließungsstraße mit Wendehammer gebaut, sodass Schleichwege Richtung Wohngebiete von Garbenteich ausgeschlossen sind. Der Lkw-Verkehr soll mit Beschilderung und per Navigation auf kürzestem Weg zur Autobahn 5 und nicht etwa durch Dorf-Güll geleitet werden.

„Keine Gewinner oder Verlierer“

„Wir sollten nicht von Gewinnern oder Verlierern sprechen. Das ist nicht unser Stil“, zieht Beitlich einen versöhnlichen Schlussstrich unter die naturschutzrechtlichen Querelen seit 2022.  Wegen des Streits um Feldlerchen-Reviere war seinerzeit ein Baustopp verhängt worden. Der Verwaltungsgerichtshof Kassel hatte diesen nach einer Zwangspause von drei Jahren kürzlich wieder gekippt und entsprechende ökologische Ausgleichsflächen als ausreichend bewertet.

 „Ja, Natur wird umgebaut zu Gewerbe. Aber die Nachhaltigkeit beginnt genau dort“, sprach auch Bürgermeister Andreas Ruck den Umweltaspekt an. Durch Arbeitsplätze vor Ort entfielen jedoch gerade dann für Pendler lange Autofahrten und Staus. Zudem werde die Gewerbefläche nicht komplett versiegelt und es solle auch kein starker Verkehr herrschen.

Stadtrat Peter Alexander begleitete als ehrenamtlicher Dezernent den städtebaulichen Vertrag. Er verwies auf die von Beginn an ökologische Ausrichtung des Gewerbegebiets. Finanziell könne Pohlheim jährlich mit etwa 500.000 Euro an Grund- und Gewerbesteuer rechnen. Eine solche Summe sei für den städtischen Haushalt eminent wichtig und trage dazu bei, die Steuer- und Abgabenlast für die Bürgerschaft in Grenzen zu halten.

Bauamtsleiter Daniel Schepp sprach die hervorgehobene Bedeutung von Umweltaspekten in bauplanerischen Prozessen an, die nicht in kurzer Zeit abzuwickeln seien. „Wir haben versucht, auf neue Auflagen zu reagieren und lassen diese Erfahrungen nun auch in andere städtische Baumaßnahmen einfließen.“ Daniel Beitlich lobte die Zusammenarbeit mit der Verwaltung: „Die war 1A mit Sternchen. Wir haben immer zielorientiert nach vorne geblickt.“ Das Gewerbegebiet sieht er als „Erfolgsgeschichte mit kurzer Pause“.