Infokampagne zu Beratung und Vermittlung
Eine junge Familie sucht ein Eigenheim. Ein älteres Haus steht nach einem Todesfall leer, ist aber stark sanierungsbedürftig. Ein anderes ist den Bewohnern nach dem Auszug der eigenen und erwachsenen Kinder zu groß geworden. Wie kann die Lösung aussehen, die für alle Seiten passt?
Die SWS (Sozialer Wohnungsbau und Strukturförderung im Landkreis Gießen GmbH) weist auf das Förderprogramm „Jung kauft Alt“ des Bundes hin. Damit es effektiv genutzt werden kann, möchte sie in einer Vermittler- und Beraterrolle Beteiligte zusammenbringen und Beispiele für Lösungen vor Ort aufzeigen – für alle Interessierten neutral und kostenlos.
2023 legte der Bund das Förderprogramm auf, das seither mehrfach angepasst wurde. „Grundsätzlich passt es von der Intention sehr gut zu den Zielen, die Kreis und Kommunen gemeinsam in der SWS verfolgen: Leerstand vermeiden, Ortskerne stärken, neuen Wohnraum im Bestand ermöglichen“, erklärt Landrätin Anita Schneider.
Allerdings fehlt es häufig an Beispielen für eine Umsetzung. Eine langfristige Folge: Bestandsimmobilien sind zum Teil ungenutzt, stehen leer und verlieren mit der Zeit an Wert. Auf der anderen Seite gibt es junge Familien, für die ein Neubau nicht finanzierbar ist und die eine Bestandsimmobilie zum Kauf und zur energetischen Sanierung suchen.
Ein Puzzlestück für lebendige Ortskerne
Genau hier möchte die SWS ansetzen. Sie unterstützt und begleitet bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Zur Gesellschaft gehören neben dem Landkreis alle Kreiskommunen mit Ausnahme von Gießen. Die Universitätsstadt verfolgt das Ziel über ihre eigene Wohnbau GmbH. Die SWS ist mit vielen Akteuren vernetzt. Sie unterstützt die Mitgliedskommunen auch in der Einführung und Nutzung des hessischen Potenzialflächenkatasters. Dieses gibt digital Auskunft über zur Verfügung stehende Flächen und Nutzungsarten in den Städten und Gemeinden.
„Häufig können Lösungen sehr individuell angepasst nach örtlichen Gegebenheiten entstehen, auch im ländlichen Raum“, erklärt Negar Jahadi, Geschäftsführerin der SWS. Dafür gibt es Möglichkeiten wie zum Beispiel eine Erbpacht, die eine langfristige Nutzung von Grundstücken ohne Kauf ermöglicht. „Viele Puzzlestücke können dazu beitragen, Ortskerne zu beleben und Wohnraum in bestehenden Strukturen zu schaffen, ohne dass Flächen für Neubauten genutzt und versiegelt werden müssen“, erklärt Jahadi. Eine Nachverdichtung bedeutet also auch eine Schonung von Ressourcen.
Die SWS macht nun an vielen Stellen auf „Jung kauf Alt“ und ihre Vermittler- und Beraterfunktion aufmerksam. Die Sparkasse Gießen sowie die Volksbank Mittelhessen unterstützen die Informationskampagne. Flyer und Aufhänger weisen künftig an vielen Stellen Interessierte auf das Angebot hin.
„Wir möchten gerne Beteiligte vor Ort miteinander in den Austausch bringen“, erklärt Landrätin Schneider. Dies können kaufwillige junge Familien ebenso sein wie interessierte ältere Menschen, die nach Alternativen für ihr bisheriges Eigenheim suchen, Grundstücksbesitzer, Kommunen, Bauträger oder Kirchengemeinden. Dabei können individuelle Fragen – auch zu Umsetzungs- und Fördermöglichkeiten – durch die SWS geklärt werden. Info und Kontakt: www.lkgi.de/sozialer-wohnungsbau; E-Mail: SWS@lkgi.de; Telefon 0641 9390-9347.
Fördervoraussetzungen
Gefördert werden Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt und eines maximal zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommens von 90.000 Euro (zuzüglich 10.000 Euro für jedes weitere minderjährige Kind im Haushalt). Die Familien dürfen zum Zeitpunkt der Antragstellung nicht über weiteres Wohneigentum verfügen und in der Vergangenheit keine anderweitige Bundesförderung zur Wohneigentumsbildung erhalten haben. Voraussetzung: Das zu erwerbende Wohneigentum muss für mindestens fünf Jahre selbst bewohnt werden. Weitere Infos unter www.bmwsb.bund.de