Verwaltungsangestellter Thilo Weiß in den Ruhestand verabschiedet
In Pohlheim und weit darüber hinaus ist er bekannt wie ein bunter Hund. Jahrzehntelang wirbelte Thilo Weiß als „Mädchen für alles“ durchs Rathaus. Doch nun hat sich der „Singende Postbote“ der Stadtverwaltung in den vorgezogenen Ruhestand verabschiedet.
In Anspielung auf seinen erfolgreichsten Schlager „Ich hab‘ den Sommer im Gepäck“ hat der Hobbysänger nun also die Rente im Gepäck. Den Job bei der Stadt Pohlheim hatte Weiß in den 1990-er Jahren einer Gesangskarriere vorgezogen. Und das, obwohl sich das Lied damals zum Ohrwurm entwickelte und in den Radiosendern rauf- und runtergespielt wurde. „Wolfgang Schwalm, einer der Wildecker Herzbuben, hat diesen Schlager für mich produziert. Ich war auch Gast im hr-Fernsehen und anderen Sendungen“, erinnert sich der in Kürze 62-Jährige.
Die Laufbahn als Verwaltungsangestellter begann für den gebürtigen Garbenteicher mit heutigem Wohnsitz im benachbarten Landkreis Marburg-Biedenkopf in der Tat als hausinterner Postbote. Denn anfangs war er vor allem im Zustelldienst tätig und mit Botengängen betraut.
1991 trat er in die Fußstapfen von Günter Lang, der die Post aus dem Pohlheimer Rathaus häufig mit dem Mofa zu den Adressaten brachte. Auf vier Rädern war dann Nachfolger Thilo Weiß unterwegs: in einem weißen VW Polo, seinem ersten Dienstfahrzeug. Nachdem zwei Kolleginnen in den Ruhestand verabschiedet wurden, rückte er in den Innendienst.
Wöchentliche Botenrundfahrten zu Kitas
Ob als „Stimme“ der Telefonzentrale, Postzusteller, Sicherheitsbeauftragter für Verwaltung und Kitas oder als Pfleger des Fuhrparks: Die Liste seiner Zuständigkeiten war lang und umfasste auch zwölf Jahre Parlamentsdienst und wöchentliche Botenrundfahrten zu den städtischen Kindergärten. Der Abschied dort gestaltete sich dementsprechend besonders emotional und trieb dem Neu-Ruheständler die ein oder andere Träne in die Augen.
Wie sich die Anforderungen auf Verwaltungsebene geändert haben, hat Thilo Weiß im Lauf der Jahrzehnte hautnah miterlebt. Die Digitalisierung hat viel Papierkram überflüssig gemacht. Und wenn doch noch ab und zu eine Rechnung schriftlich im Posteingang landete, wurde sie gescannt und dem sogenannten „Rechnungsworkflow“ zugefügt.
Trotz aller digitaler Veränderungen war ihm der Kundenkontakt immer ein Herzensanliegen. „Die Leute kamen mit ihren Anliegen an den Schalter der Information und ich konnte ihnen dann in den meisten Fällen behilflich sein.“ Wegen seiner empathischen Art wurde er deswegen häufig auch als „Sonnenschein der Verwaltung“ tituliert. Und das auch von Kolleginnen und Kollegen, für die er nun vor seinem Weggang noch eine kurze, aber knackige Zusammenkunft organisierte.
"Singender Tausendsassa“
Im Rahmen einer kleinen Feierstunde verabschiedete ihn die Stadt Pohlheim offiziell aus dem Dienst und dankte dem künftigen Ruheständler für die jahrzehntelange Treue. „Er ist ein singender Tausendsassa“, kam das Lob von höchster Ebene. „Solche Leute, schade, dass man sie verliert“, bemerkte Bürgermeister Andreas Ruck. Fachbereichsleiterin Andrea Günsche und Personalratsvorsitzender Alexander Bauer schlossen sich dem Dank für die geleistete Arbeit an und wünschten ebenfalls alles Gute für die Zukunft.
Thilo Weiß seinerseits hatte noch so manche Geschichten aus seiner langjährigen Dienstzeit zu berichten. Als bleibende Erinnerung rahmten die Kolleginnen und Kollegen seines Fachbereichs ein Trikot mit Gruppenfoto und Unterschriften ein, das sogleich im Wohnhaus von Thilo Weiß einen auffälligen Platz gefunden hat.
In Sachen Musik wieder viel unterwegs
Nach kurzer Verschnaufpause will er in Sachen Musik wieder voll durchstarten. Sein Terminkalender ist schon jetzt prall gefüllt und dürfte vor allem die Fangemeinde in Mittelhessen freuen. Zwischen Mai und Dezember sind Auftritte in Lich, zweimal auf dem Schiffenberg sowie in Braunfels, Buseck und Pohlheim fest eingeplant. Am ersten Juni-Wochenende steht Weiß zudem in Meldorf an der Nordseeküste auf der Bühne.
„Jetzt habe ich auch wieder mehr Zeit, selbst Titel zu schreiben und zu produzieren“, verweist er auf sein hauseigenes Tonstudio in Lohra-Kirchvers. Und auch „Herzbube“ Wolfgang Schwalm meldete sich und animierte ihn: „Komm doch mal vorbei. Vielleicht ergibt sich nochmal ein Sommerhit.“ Neben all dem Aktivismus soll aber künftig auch der neunjährige Enkel Ben mehr von seinem Opa haben. „Der fragt auch schon, wann wir ins Schwimmbad fahren. Langweilig wird’s mir nicht werden.“