Grüninger Warte

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35415 Pohlheim - Grüningen
Tel. 06403 / 606-0

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Bei der Grüninger Warte, auch von Ortsansässigen liebevoll ,,Hoinkdippe’’ genannt, handelt es sich heute um die Ruine einer Windmühle.
Im Jahre 1445 befand sich jedoch an derselben Stelle noch eine Warte des alten Solmser Sicherungssystem.
Warten waren Beobachtungsposten bzw. Türme. Sie dienten als Wehranlagen für Festungen oder Städte. Von ihnen aus bestand die Möglichkeit, Feinde frühzeitig zu bemerken und durch folglich eingeleitete Signalsysteme die Bevölkerung vorzuwarnen.

Graf Wilhelm zu Solms-Braunfels ließ im Jahre 1713 dort eine Windmühle errichten. Windenergie war zur dieser Zeit neben der Wasserkraft die wichtigste Energiequelle.
Da die Bachläufe jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht geregelt waren, konnte ein gleichmäßiger Betrieb mit einer Wassermühle nicht garantiert werden.
Die Grüninger Windmühle auf der ,,Worth’’ sollte ganz nach den holländischen Vorbildern entstehen. Aus diesem Anlass schickte Graf Wilhelm die georderten Handwerker vorerst zum Studieren dieser Bauweise an den Niederrhein.
Nach dem Fertigbau traf Graf Wilhelm Moritz besondere Vorsichtsmaßnahmen, um seine holländisch nachempfundene Windmühle zu schützen.
So war es unter anderem Fremden untersagt, die Windmühle zu betreten. Ebenso wurde nicht beteiligten Handwerkern nur ungern Zutritt gewährt, da man davon ausging, sie könnten sich die Baukonstruktion abschauen und eine Kopie erstellen.
In der näheren Umgebung war schließlich die Grüninger Windmühle, die einzige ihrer Art.
Leider jedoch wurden die Erwartungen, die man auf die Windmühle setzte, im Laufe der Jahre nicht erfüllt.
Unzählige Male waren Reparaturmaßnahmen von Nöten. Bedauerlicherweise fehlte es jedoch an fachkundigen Handwerkern und an Reparaturmaterial, sodass die Produktion der Ersatzteile nach Braunfels und an die Dill verlegt werden mussten.
Genaue Ursachen für die wiederholten Instandsetzungen sind nicht bekannt, dennoch machte man Konstruktionsfehler und die ungünstige Lage verantwortlich.
Eine kaiserliche Kommission gab der fürstlichen Regierung 1791 den Hinweis, die baufällige Windmühle verfallen zu lassen, da die entstandenen Reparaturkosten bereits nicht mehr aufgebracht werden konnten.

Letztendlich wurde das Bauwerk im Jahre 1794 seinem Schicksal übergeben und verfiel 80 Jahre nach Inbetriebnahme.
Erst im Jahre 1963 wurde die Ruine der Windmühle restauriert und bietet heute für Besucher nicht nur einen öffentlichen Grillplatz, sondern auch einen hervorragenden Rundblick, welcher sich bis zum Taunus, dem Vogelsberg und der Wetterau erstreckt.
Auch die Überreste des Limes, der römische Grenzwall, sind von der Grüninger Warte aus zu erblicken.

Seit 6. April 2009 ist die Grüninger Warte „Schutzwürdiges Kulturgut“ im Sinne des Artikels 1 der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten.
Die entsprechende Urkunde sowie die Haager Plakette wurden am 16. Mai 2013 offiziell an Vertreter der Stadt Pohlheim übergeben.

Die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten ist ein völkerrechtlicher Vertrag, der 1954 abgeschlossen wurde. Er hat das Ziel, Kulturgut während eines Krieges oder bewaffneten Konfliktes vor Zerstörung oder Beschädigung sowie Diebstahl, Plünderung und anderen Formen einer widerrechtlichen Inbesitznahme zu schützen.
Damit genießt die Grüninger Warte besonderen Schutz bei bewaffneten Konflikten.

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