Ausstellung im Heimatmuseum Pohlheim sonntags geöffnet
Passend zum Wiesnfest eröffnete das Heimatmuseum Pohlheim, Ludwigstraße 22, eine Sonderausstellung unter dem Titel "Dirndl & Tracht", die bis Ende Mai sonntags von 15 bis 17 Uhr zu sehen ist. Der Eintritt ist frei.
Kunsthistorikerin Sabine Scheele-Brenne ist Vorstandsmitglied des Ortsvereins Watzenborn-Steinberg der Heimatvereinigung Schiffenberg und präsentiert ihre Recherchen zu diesem Thema. Die Schau im Obergeschoss des Museums blickt anhand von Texttafeln, historischen Fotos und einigen Exponaten in die 125-jährige Geschichte des Dirndls zurück.
Was trug man früher bei der Arbeit und was zum Feiern. Ist Dirndl Tracht? Das und noch viel mehr erfahren die Besucher bei einem Rundgang durch die kompakte Ausstellung. Der Bogen spannt sich bis von den Anfängen im späten 19. Jahrhundert bis zum Boom, den das Pohlheimer Wiesnfest seit 2009 jährlich auslöst, wenn Tausende Gäste in Dirndl und Lederhose zum Feiern nach Pohlheim kommen.
Weil der Alltag früher größtenteils aus Arbeit bestand, war die Alltagskleidung auch immer Arbeitskleidung. In Watzenborn trugen die Trachtenträgerinnen auch im Alltag Tracht. Ältere Einheimische werden an die Trachtenträgerinnen Marie Sophie Kloos und Katharine Horn erinnert, die bis ins hohe Alter die "Platte" bzw. die "Halblange" trugen, was auf Fotos dokumentiert ist.
Im Nationalsozialismus wurde das Dirndl als deutsches Volksgut instrumentalisiert für Antisemitismus und Ausgrenzung. In der Nachkriegszeit erfuhr es dann eine weltweite Verbreitung. Im Laufe der Zeit hat es sich als modisches Kleidungsstück etabliert. Erst in den 1990er Jahren setzte das Tragen von Dirndln auf dem Münchner Oktoberfest ein.
Als das Wiesnfest 2009 erstmals auf der Pohlheimer Mockswiese gefeiert wurde, waren zunächst kaum Dirndl zu sehen. Dieser Trend entwickelte sich erst nach und nach. Mittlerweile ist es eine verschwindende Minderheit, die nicht in Dirndl oder Lederhose zu diesem Volksfest kommt.