Kommunalarchive widmen sich Ernährungsgeschichte(n)

„Was Leib und Seele zusammenhält. Ernährungsgeschichte(n) aus dem Gießener Land“ – unter diesem Titel haben Kommunalarchive im Landkreis Gießen eine unterhaltsame Ausstellung erarbeitet, die jetzt ihre Premiere feiert.

Seit etwa einem Jahr sind die Beteiligten neben der üblichen Archivarbeit mit Planung, Konzeption und Vorbereitung beschäftigt. Aus allen Gemeinden und Städten im Landkreis sind Belege zu sehen, die so manche Erinnerung hervorrufen dürften.

Leitgedanke „Essen und Trinken“ war schnell gefunden

Ein Leitgedanke für eine gemeinsame, kreisweite Ausstellung sei schnell gefunden gewesen, meint Kreis-Archivarin Sabine Raßner, die auch bei der Koordination der neuesten Ausstellung unterstützt. Denn zum Thema Essen und Trinken finden sich in den Kommunalarchiven oft zahlreiche historische Belege – nicht zuletzt hübsche Postkarten, die Gaststätten und Ausflugslokale zeigen oder Familienfotos an der Festtafel.

Auch Kochbücher längst vergangener Tage wurden mancherorts archiviert und werden nun in Teilen gezeigt. Außerdem sind in der Ausstellung Werbeplakate heimischer Brauereien, Gasthäuser und Lebensmittelgeschäfte abgebildet, ebenso historische Marktordnungen sowie Akten und Pläne vom Bau gemeinschaftlicher Gefrier- und Schlachthäuser.

Dem Kartoffelanbau und dem Weg vom Korn zum Brot im Gießener Land ist jeweils ein eigenes Plakat gewidmet, ebenso der Trinkwasserversorgung und der Ernährung in Kriegstagen. Die Themenbereiche Viehhaltung, Milchwirtschaft, Fleischverarbeitung, Lebensmittelhandel, regionale Märkte sowie die Gastronomie im Wandel sind mit zahlreichen Fotos, Dokumenten und Erinnerungsstücken dargestellt.

Pohlheimer Stadtarchiv brachte sich in Themenbereiche ein

Zu einigen Themenbereichen steuerte Denise Hess vom Pohlheimer Stadtarchiv Text- und Bildmaterial bei: Texte zu Molkereien in der Region sind unter anderem mit einem Bauplan aus dem Jahr 1904 über die Aufstellung eines Dampfkessels durch Molkereibesitzer M. Grieb aus Dorf-Güll illustriert. Beim Themenkomplex „Viehhaltung/Beschauung/Schlachtung“ findet sich ein Bauplan für die Errichtung eines Schlachthauses für Ludwig Häuser aus der „Wilhelmshöh“ in Steinberg in den Jahren 1897 bis 1899. Auf einem Plakat zur Trinkwasserversorgung ist das Foto eines ehemaligen Trinkbrunnens in Dorf-Güll zu sehen.

Kurzweilige Zeitreise in die Dörfer

Landrätin Anita Schneider zeigt sich begeistert. „Die Poster sorgen für interessante Aha-Momente und laden zu einer kurzweiligen Zeitreise ein. Manche Spuren kann man heute noch in den Dörfern entdecken.“ Mit den Plakaten werde zugleich deutlich: Fortschritte – zum Beispiel in den Bereichen Hygiene und Effizienz – gab es vor allem, wenn Menschen gemeinsam wirkten. Nur mit vereinten Kräften und guten Ideen, die viele Menschen mittrugen und umsetzten, konnten nützliche Einrichtungen oder Neuerungen entstehen – darunter beispielweise landwirtschaftliche Produktion, überregionale Wasserleitungen, Gefriergemeinschaften, Backhäuser und gemeinschaftliche Molkereien.

Eröffnung am 27. August in der Gemeindeverwaltung Langgöns

Für Interessierte ist die Ausstellung erstmals am Donnerstag, 27. August, um 16.30 Uhr in der Gemeindeverwaltung Langgöns zu sehen. Von dort aus gehen die Plakate auf Wanderschaft durch den Landkreis Gießen. Weitere Ausstellungstermine stehen bereits fest für die Sparkasse Gießen (Hauptstelle), Grünberg, Laubach und Lich.