Klara Jung leitet den neuen Kinder- und Jugendbeirat Pohlheim

Sie ist erst 15 Jahre alt und trotzdem schon sozusagen ein „alter Hase“. Klara Jung aus Watzenborn-Steinberg ist Vorsitzende des neu gebildeten Kinder- und Jugendbeirats der Stadt Pohlheim.

Im Interview spricht die baldige Zehnklässerin über ihre Motivation, sich in jungen Jahren politisch zu engagieren und welche Chancen sich dafür in Pohlheim bieten.

Frage: Hast du schon Ämter gehabt, die in die gleiche Richtung gehen?
Klara Jung: Ich bin seit fünf Jahren Klassensprecherin an der Adolf-Reichwein-Schule Pohlheim und in dieser Zeit auch in der Schülervertretung sehr aktiv. Seit diesem Schuljahr bin ich Mitglied der Schulkonferenz und seit vorletztem Schuljahr Kreisschülerratsdelegierte. Da habe ich auch auf jeden Fall Erfahrung sammeln können.

Wie sieht das hier in Pohlheim aus?
Da warst du wahrscheinlich auch in den vergangenen Jahren schon mal in Kinder- und Jugendgremien aktiv, oder? Ja, es gab vor dem offiziellen Jugendbeirat zwei Jahre lang die Jugendbeteiligung Pohlheim. Das müsste so ab 2024 gewesen sein. Da war ich von Anfang an involviert und habe auch an einem großen Teil der Satzung mitgearbeitet.

Hört sich gut an. Warum engagierst du dich jetzt im Kinder- und Jugendbeirat?
Mir ist es sehr wichtig, Kindern und Jugendlichen eine Stimme in der Politik zu geben und ihre Interessen gut zu vertreten. Ich glaube, das kommt oft zu kurz. Wenn man noch sehr jung ist, ist es, glaube ich, noch mal einfacher, die Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen oder auch weiterzutragen. Kinder und Jugendliche wenden sich auch eher an Personen ihres Alters als an Erwachsene.

Hast du selbst auch Herzensthemen, wo du sagst, da engagiere ich mich am liebsten oder bestimmte Dinge würde ich gerne verwirklichen?
Ich möchte mich auf jeden Fall für mehr Aktionen für Kinder und Jugendliche einsetzen, aber auch für mehr Treffpunkte. Gerade für Jugendliche ist das Angebot sehr dünn im ländlichen Raum.

Der Kinder- und Jugendbeirat ist etwas ganz Neues in Pohlheim. Siehst du da einen großen Unterschied zur bisherigen Jugendarbeit?
Auf jeden Fall. Der Jugendbeirat ist jetzt gleichgestellt, zum Beispiel mit dem Seniorenbeirat oder auch mit dem Ausländerbeirat. Und dementsprechend dürfen wir wirklich Einfluss nehmen. Wir können Anträge stellen, wir können beraten und an den Stadtverordnetensitzungen teilnehmen. Das ist schon mal ein großer Unterschied zu vorher. Gerade durch Anträge, Rederecht und Empfehlungen, die man geben darf.

Habt ihr schon mal darüber gesprochen, welche Wünsche ihr möglichst zeitig auf die Tagesordnung setzen wollt?
Ich glaube, wir werden uns als erstes vor allem mit Barrierefreiheit rund um die Schulen beschäftigen. Es gibt viele Leute mit Beeinträchtigung, die bei uns auf die Schule gehen. Auch Inklusion und die erwähnten Treffpunkte sollten eine große Rolle spielen.

Tragen auch Leute von außen Themen an euch heran?
Es ist noch schwierig. Ich kann das natürlich nicht für alle Mitglieder des Beirats beantworten, aber ich bin politisch aktiv und in meinem Umfeld und der Schule relativ bekannt. Wenn jemand irgendein Anliegen hat, werde ich halt gefragt, ob ich mich dafür einsetzen kann.

Wie stellt ihr euch die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und den politischen Gremien vor?
Zum einen sind wir auf der Verwaltungsseite mit Celine Schmitt und Karina Scholl super vernetzt. Und die neu gewählten Jugendbeauftragten sind ein Bindeglied zum Jugendbeirat. Wir werden natürlich versuchen, mit allen Fraktionsvorsitzenden irgendwie in Kontakt zu bleiben, um Anträge schon vor Sitzungen miteinander zu besprechen. Auf jeden Fall soll die Zusammenarbeit gut laufen, ohne Streit und Auseinandersetzungen.

Glaubst du denn, dass die Politik die Anliegen von euch jungen Menschen ernst genug nimmt?
Klar ist das immer so eine Sache. Aber unsere Anträge werden auf die Tagesordnung gesetzt. Die Politiker müssen uns zu verschiedenen Themen auch fragen, wenn es um Kinder und Jugendliche geht. Ich hoffe einfach, dass gerade die Politiker es auch verstehen, dass Kinder und Jugendliche ernst genommen werden müssen.

Wie nimmst du politisches Interesse in deiner Altersgruppe wahr? Haben Jugendliche überhaupt Bock, sich mit Stadtpolitik zu beschäftigen?
Die Begeisterung ist nicht riesig, wenn es um Kommunalpolitik geht. Ich glaube, das ist auch nicht verwunderlich. Vielen Jugendlichen fällt es schwer, sich mit politischen Entscheidungen zu identifizieren. In der Schule wird man meistens nicht darüber informiert, wie Kommunalpolitik funktioniert und wie man sich einbringen kann. Deshalb ist das Interesse auch nicht sonderlich groß. Wenn ich sage, dass ich Politik mache, bekomme ich immer ein „Warum?“ zu hören. „Warum machst du das in deiner Freizeit? Ist das normal, so ein Hobby zu haben?“

Der Bürgermeister hat in der konstituierenden Sitzung des Kinder- und Jugendbeirats davon gesprochen, dass man ab und zu vielleicht auch mal mit Frust umgehen muss, wenn man Anträge nicht durchkriegt, die man sich wünscht. Wie würdet ihr damit umgehen?
Ich habe das schon regelmäßig erlebt und natürlich ist das immer super schade. Man hat sich oft sehr viel Mühe gegeben, man hat oft einen guten Grund, warum diese Projekte hätten umgesetzt werden sollen oder diese Ideen so wichtig sind. Im Endeffekt können wir da nicht viel machen, außer zu versuchen, einen besseren Finanzierungsvorschlag zu machen, weil es ja oft ums Geld geht in der Kommunalpolitik. Ich glaube, man muss lernen, mit Frust umzugehen, wenn man politisch aktiv ist. Und dass Dinge länger brauchen, als man es sich wünscht.

Wenn du jetzt eine Werbeminute hättest, was würdest du sagen, warum lohnt sich es überhaupt, sich politisch oder gesellschaftlich zu engagieren?
Ich glaube, es lohnt sich grundsätzlich, sich politisch und gesellschaftlich zu engagieren, weil man immer einen Vorteil daraus zieht. Man kann seine eigenen Ideen kommunizieren und am Ende sagen, dass man alles versucht hat, die beste Lösung irgendwie voranzubringen. Je mehr Menschen sich engagieren, umso vielfältiger und besser können Entscheidungen ausfallen, weil mehr Perspektiven eingebracht werden. Letztendlich können hoffentlich alle irgendwie zufrieden sein mit der getroffenen Lösung.